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Florian Helmers
Florian Helmers

Mach was Du willst!

In 49 Minuten von Hamburg nach London, inklusive Ein- und Auschecken – das ist der Luxus, den Florian Helmers verkauft.

Der Goldhändler erwischt Florian Helmers im »Café Himmelsschreiber«. Helmers vernichtet gerade ein Stück Himbeertorte, als sein Handy läutet. Draußen peitscht der erste Herbstregen auf das Rollfeld des Hamburger Flughafens Fuhlsbüttel. Morgen um 10.30 Uhr würde er gerne mit einem von Helmers’ Privatjets nach London fliegen, sagt der Mann am anderen Ende der Leitung. Er müsse zum Bentley-Werk, »Sie wissen schon«. Übermorgen solle es zurück nach Hamburg gehen. »Ein Jet ist gerade gelandet«, sagt Helmers, »geht klar. Danke, prima, tschüss tschüss, freut mich.« Helmers legt auf, er freut sich wirklich. Der Goldhändler ist einer von 25 Stammkunden, die immer, wenn sie ein Anliegen haben, bei Helmers persönlich anrufen dürfen. Helmers ist Chef von Air Hamburg. Sein Unternehmen verchartert Privatjets und ist mit einer Flotte von zehn Jets der größte Anbieter von Business-Flügen in Norddeutschland. Gemeinsam mit seinem Jugendfreund und Geschäftspartner Alexander Lipsky hat Helmers die Firma seit 2005 aufgebaut, heute sind die beiden gerade mal 38 Jahre alt. Ihr Geschäft ist auch nach dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 weitergewachsen, als die Einnahmen der Privatfliegerbranche insgesamt um ein Fünftel zusammenschmolzen, weil Firmen sparen mussten und Vermögende ihr Vermögen lieber zusammenhalten wollten. Die Zahl der Privatflüge liegt einer unabhängigen Studie zufolge auch dieses Jahr noch 15 Prozent unter Vorkrisenniveau, zu viele Maschinen sind im Markt und die Preise unter Druck. Derweil hat Air Hamburg seinen Umsatz von 10,6 auf etwa zwölf Millionen Euro gesteigert. Wer Helmers fragt, wie er es hinbekommen habe, seine kleine, aber feine Privatjetflotte so elegant durch die Krise zu manövrieren, den zieht er erst einmal durch die Sicherheitsschleuse gleich neben dem »Himmelsschreiber« und entführt ihn in den Hangar zu seinem neuesten Baby, einer Cessna Citation XLS+. Die lederne Sitzgarnitur riecht fabrikneu. Die Klapptische aus Mahagoni haben noch ihre erste Politur. Voller Stolz platzt es aus Helmers heraus: »Neun Sitze, Stehkabine, eigene Toilette, Reichweite 4.000 Kilometer.« Vor allem von Marktführer Net Jets, mit über 600 Jets weltweit größter Betreiber von Business-Fliegern, hat Air Hamburg Kunden abwerben können. »Die meisten Wettbewerber haben in der Krise vor allem gespart, wir nicht.« Ein Flug im Privatjet müsse schließlich angenehmer sein als ein Linienflug. Also bietet Air Hamburg, wenn es der Kunde wünscht, auch indische Zeitungen oder koscheres Catering. Die Stammkunden dürfen sich sogar die Crew aussuchen. Trotzdem schaffen es Helmers und Lipsky, eine Flugstunde mit der XLS+ für knapp unter 5.000 Euro anzubieten. Net Jets – an der Firma ist US -Investor Warren Buffet beteiligt – verlangt dafür etwa 7.500 Euro. »Bei voll besetzter Maschine mit acht Passagieren ist ein Flug mit Air Hamburg häufig sogar preiswerter als acht Business- Class-Tickets, zumal unsere Kunden nicht stundenlang beim Check-in oder an der Gepäckausgabe warten müssen«, sagt Helmers.

Hanseatisches Understatement

Für Menschen, die mit einer XLS+ fliegen, spielt es keine Rolle, dass jede First Class geräumiger ist, dass der neunte Passagier direkt neben der Toilette sitzen muss oder dass die schmale Cessna im Gegensatz zu anderen Privatjets keinen Whirlpool hat, »sie trifft genau den Geschmack unserer hanseatischen Kundschaft«, sagt Helmers. Luxus sei für seine Kunden vor allem die Zeit, die sie sparen. Der Goldhändler braucht von Hamburg nach London nur 49 Minuten, inklusive Ein- und Auschecken. Schon eine Stunde nach der Buchung kann er abheben. Auf dem Weg zurück ins »Café Himmelsschreiber« grüßt der schlacksige Air-Hamburg-Boss jeden persönlich, per Du sind sie bei Air Hamburg ohnehin alle. Im Café, das auch zur Firma gehört, räumt er sein Geschirr persönlich ab. Ganz bescheiden. »Wir verdienen mit der Fliegerei keine Unsummen, es gibt also keinen Grund durchzudrehen«, sagt er dann. Alle in der Firma achten penibel darauf, kein Geld zum Fenster rauszuschmeißen. Air Hamburg ist vor allem deshalb um ein Drittel günstiger als die Konkurrenz, weil das Unternehmen auf Marketing verzichtet und sich auf Mund-zu-Mund-Propaganda verlässt. Helmers und Lipsky haben aber auch davon profitiert, dass sie ihre letzten vier Maschinen erst in den Krisenjahren angeschafft haben. Während 2006 und 2007 noch Preisaufschläge und Wartezeiten von bis zu zwölf Monaten üblich waren, gab es Jets nach 2008 sogar mit Rabatt. So schnell wachsen konnten sie ohnehin nur, weil sie an ihren Jets nur minimale Anteile halten, um nicht zu viel Eigenkapital zu binden. »Drei große, nette und hanseatische Investoren « – Helmers über seine Geldgeber – haben die bis zu 13 Millionen Dollar teuren Jets finanziert. Um die Rendite seiner Geldgeber zu sichern, lastet Helmers seine Maschinen über Broker aus, Agenturen, die Charteraufträge vermitteln und nach dem preisgünstigsten Bieter suchen. »50 Prozent unserer Aufträge erhalten wir über Broker«, sagt Helmers. Wie zum Beweis loggt sich Helmers auf seinem Blackberry in das Programm Avinode ein, eine Plattform, die so ähnlich funktioniert wie eine Taxizentrale. Er sieht, dass der englische Zwischenhändler Avolus in vier Tagen einen Jet von Hamburg nach Marrakesch zum Preis von 66.900 Euro sucht. Plötzlich ploppen 20 Maschinen der Anbieter auf, die in der Nähe stationiert sind, auch die XLS+ von Air Hamburg, mit Fotos und allen Details. Bestätigt Helmers Termin und Preis, leitet der Broker das Angebot an den Kunden weiter. Ist auch der einverstanden, bekommt Air Hamburg den Auftrag. Helmers kassiert dafür die 66.900 Euro, der Kunde zahlt an Avolus eine Gebühr von fünf bis zehn Prozent. Und Helmers zahlt monatlich eine Pauschale für jede Maschine, die er auf Avinode einstellt. Er bestätigt. Helmers spricht viel von Glück, wenn er über sein Unternehmen erzählt und wenn er zurückblickt. Lipsky und er kennen sich, seit sie 13 sind. Sie waren Segelflugschüler in Uetersen und sammelten gemeinsam auf dem Flugfeld des Pinneberger Segelflugvereins LSV die Schleppseile ein. Heute dürfen die zwei am Himmel so ziemlich alles bewegen, Einmotorige, Zweimotorige, Motorsegler, Segelflugzeuge, Kunstflugmaschinen – auch den A380.

Florian Helmers
Florian Helmers

Als Team erfolgreich

Die Fliegerei liegt bei beiden in der Familie. Vater Lipsky ist für das Militär geflogen, Vater Helmers war Fluglehrer, Helmers’ Mutter arbeitete als Stewardess. Ihr erstes richtiges Geld verdienten beide mit Fotoflügen. »Für Unternehmen haben wir Gebäude aus der Luft fotografiert. Das haben wir bis zur Perfektion getrieben. So richtig mit schicken Rahmen, wir haben sogar ein paar Studenten als Außendienstmitarbeiter eingestellt«, sagt Helmers fast mit dem gleichen Stolz, mit dem er von seinem anderthalbjährigen Sohn erzählt. Er flog, Lipsky knipste. 1998, nach nur zwei Jahren, leisteten sie sich für 25.000 Mark ihr erstes eigenes Flugzeug, 2001 übernahmen sie schließlich die Flugschule Hamburg. Bis heute haben sie 560 Piloten ausgebildet. Und mit der Zahl der Flugschüler wuchs die Zahl der ein- und zweimotorigen Maschinen. Also begannen sie 2005, im Liniendienst Helgoland anzufliegen. Und schon ein paar Monate später fragte ein Kunde, ob sie sich nicht auch vorstellen könnten, einen Privatjet zu kaufen. Sie konnten es sich vorstellen. »Wir hatten gleich ein paar Stammkunden«, sagt Helmers. Und ein Jahr später den zweiten Jet. Heute fliegen zehn Privatjets die erlesene Kundschaft durch ganz Europa. Bekannt ist, dass US -Schauspieler George Clooney schon mit Air Hamburg geflogen ist, Boris Becker, Tokio Hotel, Shakira, und Brad Pitt reiste nach der Deutschland-Premiere von »Inglourious Basterds« in Berlin mit den Hamburgern zurück nach Südfrankreich zu Angelina Jolie. George Michael ist noch nie mit Air Hamburg geflogen. Doch am Nachmittag verbreitet sich im »Café Himmelsschreiber « das Gerücht, der Popstar werde gleich im Flughafen Fuhlsbüttel landen. Keiner weiß etwas, aber ein Fotograf der »Bild«-Zeitung belagert sicherheitshalber schon die kleine Eingangshalle. »Für den könnten wir uns so richtig anstrengen, auch wenn wir ihn nicht geflogen haben«, sagt Helmers: »Limousine, roter Teppich, Catering, Gepäck, Regenschirm, tanken, Wasser, Öl, Müllentsorgung.« Air Hamburg Executive Handling nennt er das. Die Komplettabfertigung von Fremdflügen mit bis zu 19 Passagieren ist sein neuester Geschäftsbereich. Was noch kommen könnte? »Wenn alles so bliebe wie jetzt, wäre das in Ordnung«, sagt Helmers. »Wenn wir allerdings irgendwann auch nonstop über den Atlantik fliegen könnten, wäre das schon ein Traum.«

Den Traum vom Fliegen erfüllte sich Florian Helmers, geboren 1973 im holländischen Amersfoort, schon als Teenager. Genetisch vorbelastet – sein Vater war Fluglehrer, die Mutter arbeitete als Stewardess – lernte er als 13-Jähriger in Hamburg Uetersen das Segelfliegen. Dort traf er auch Alexander Lipsky – beide hatten sich zufällig am selben Tag im Verein angemeldet. Mit 17 machten sie den Segelflugschein, mit 18 den Sportflugzeugschein, mit 23 schafften sie es ins Guinness-Buch, weil sie innerhalb von 40 Tagen 30.000 Flugkilometer zurückgelegt hatten. Ihr erstes Geld verdienten beide mit Fotoflügen: Sie verkauften Unternehmen aufwendige Luftaufnahmen von deren Firmengebäuden. Für 25.000 Euro kauften sie sich ihr erstes Flugzeug, eine 25 Jahre alte Cessna 150. Die Flugschule Hamburg übernahmen sie schließlich 2001.

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